Sachverständiger für barrierefreies Planen und Bauen Gutachter für barrierefreies Bauen Planungen - Barrierefrei-Konzepte - Gutachten - Workshops
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Kontraste

Denkt man abstrakt an "Behinderte", so ist fast jedem zuerst ein Rollstuhl vor Augen. Dies ist DER Inbegriff einer Behinderung und so plastisch. Aber wir sind aufgefordert nicht nur schwellenfrei zu denken, sondern barrierefrei.

 

Für Menschen mit Seheinschränkungen oder Blindheit sind andere Parameter für die Orientierung und Nutzung wichtig. Ein solches Parameter ist der KONTRAST. Ein Parameter, den man bautechnisch "eigentlich" recht einfach lösen könnte: mit Farbe!

Ich will hier nicht auf einschlägige Normen oder Vorschriften abzielen, die es natürlich gibt. Ich will die Planer, Architekten und Gestalter anspornen sich anhand einiger Beispiele aus meiner Praxis dem Thema bewusst zu werden und dies bei zukünftigen Planungen von Vorneherein zu berücksichtigen.

 

Denn auch ich habe das Ziel "schön" zu bauen. Deshalb stört es mich, zu einem eben bezogenen Gebäude gerufen zu werden und Nacharbeiten fordern zu müssen. Diese verursachen Kosten und machen es nutzbarer, aber oftmals nicht schöner. Wie z.B. das Projekt, als nach langer Diskussion über kontrastreiche Gestaltung der Stufenvorderkanten der Investor frustriert schwarz-gelbe Kanten auf die Stufen kleben ließ!

 

Bei Berücksichtigung in der Planungsphase ist Barrierefreiheit auch in "schön" zu bekommen, dazu meist kostenneutral und ohne Verschleiß an Nerven auf allen Seiten.

 

Zur Einstimmung ein ultrakurzes Video von Youtube (15sec.):

 

Das Bild ist ein Screenshot der ersten Sequenz - auch wenn man es weiß, fällt es sehr schwer das Ende der Ladebordwand zu erkennen.

Beispiele

Kontraste in Sanitärräumen

Vor Kurzem wurde in Kirchbierlingen ein Hospiz mit acht Gästezimmern eröffnet.

 

Das ursprünglich als Sommerresidenz für den Abt von Obermarchtal errichtete Gebäude erfuhr eine grundlegende Restaurierung mit barrierefreier Ertüchtigung  und Erweiterungsbau. 

Die Sanitärräume wurden mit stark kontrastierenden Haltemöglichkeiten gestaltet.

Ähnliche Ausstattung, jedoch leider mit konstrastlosen Bedien-elementen (Betätigungsplatten der Toilettenanlage).

Kontraste an Türen

Die kontrastreiche Gestaltung wird leider oft "vergessen" oder verdrängt. Ich muss sagen, dass auch mir die meisten der nachträglich angebrachte "Hilfs-"Lösungen nicht gefallen. Deshalb von vorneherein berücksichtigen und in ein Farb- und Gestaltungskonzept integrieren - dann wird es nicht nur "schön", sondern für Menschen mit Sehbehinderung einfacher nutzbar.

Auch lassen sich, wie beispielweise Stufenmarkierungen an Treppen, bereits bei der Planung entsprechend gestalten: An der Vorderkante der Trittstufen aus grauem Stein ein Profil in der notwendigen Größe  aus einem sehr dunklen Stein einbringen.

 

Die kontrastreiche Gestaltung wird leider oft "vergessen" oder verdrängt. Ich muss sagen, dass auch mir die meisten der nachträglich angebrachte "Hilfs-"Lösungen nicht gefallen. Deshalb von vorneherein berücksichtigen und in ein Farb- und Gestaltungskonzept integrieren - dann wird es nicht nur "schön", sondern für Menschen mit Sehbehinderung einfacher nutzbar.

Auch lassen sich, wie beispielweise Stufenmarkierungen an Treppen, bereits bei der Planung entsprechend gestalten: An der Vorderkante der Trittstufen aus grauem Stein ein Profil in der notwendigen Größe  aus einem sehr dunklen Stein einbringen.

 

Dieses Beispiel zeigt die Istsituation im Treppenhaus einer Beratungs-stelle u.a. für alte und behinderte Menschen. Immer wieder kommt es vor, dass Besucher den Eingang zum Büro nicht finden - weiße Tür in weißem Rahmen in weißer Wand ... nicht so ideal.

Beim Verlassen des Büros wird hingegen die Türe der Aufzugsanlage gut gefunden.

Kontraste an Treppen

Bei der Planung von Treppen werden m.E. die Anforderungen an die Barrierefreiheit oftmals völlig vernachlässigt. Ergebnis sind dann Treppen wie auf dem nächsten Bild, die man zu hunderttausenden in Deutschland finden kann.

 

Hier sehe ich nicht nur die Planer in der Pflicht. Warum kann ein Treppenbauer, ähnlich wie ein Errichter von Aufzugsanlagen, nicht einwirken und sich mit den wenigen sein Gewerk betreffenden Normen zur Barrierefreiheit auszukennen, um diese in seine Werkplanung einzubeziehen?

Leider trauriger Alltag und für mich ein Versäumnis in der Planung.

Trittstufenvorderkante

 

Hier wurden die Vorderkanten mit einem Streifen ausgestattet. Dieser soll aber nicht dem Kontrast erhöhen, sondern der sehr glatten und somit rutschigen Oberfläche der Trittstufen etwas mehr Griffigkeit verschaffen ... und möglichst wenig auffallen.

Hätte man diesen Streifen in schwarz/anthrazit gestaltet, dann wäre zumindest bei der abwärtsführenden Nutzung der Treppenanlage die Erkennung der Stufenvorderkanten deutlich verbessert worden.

 

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Nachfolgend ein anderes Projekt ... Wohnanlage "barrierefrei" (zumindest im Prospekt so angepriesen und verkauft)

 

Interessant finde ich auch die nachträglich angebrachte Verlängerung des Geländers. Bis dahin war die erste Stufe offen und eine Stolperfalle für alle. Ich stelle mir nur einen meiner Söhne im Alter von 3 Jahren vor, wenn er mit seinem Bobbycar die Kurve schneidet!!!

Konsequenter Weise führt der Investor seine Treppenplanung auch im Außenbereich fort.

 

Aufnahmen an einem Winterabend ca. 18:30 Uhr

Mit eingeschalteter Beleuchtung - leider so kurz eingestellt, dass eine gehbehinderte Person das Geländer (!! nächster Mängel) nicht erreichen kann bevor es aussieht wie im zweiten Bild.

 

Man beachte auch die "Beleuchtung" der nach hinten geführten Rampe.

 

 

Sekunden später sieht es leider nur noch so aus!

 

Zum Glück spendet die Beleuchtung vor der Haustüre noch etwas "Erleuchtung".

Trotz Aufforderung der Wohngemeinschaft sieht sich der Investor nicht in der Pflicht etwas zu ändern. Mal schauen was die Versicherung sagt, wenn der erste folgenschwere Sturz passiert ist.

 

Als Krönung empfinde ich jedoch, dass die informierte Baurechts-behörde sich nicht bemüßigt fühlt hier die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften einzufordern. Einem "wichtigen" Bauträger am Ort gewährt man anscheinend mehr Spielraum als anderen Bauherren.

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Treppenanlage im Außenbereich

 

 

Eine Treppenanlage im öffentlichen Verkehrsraum, die in Bogenform mit sich stetig verändernden Steighöhen. Ein absoluter Alptraum.

 

Aber es geht ja immer noch um die kontrastierende Ausführung der Stufenvorderkanten.  Hier Bilder um sich selbst einen Eindruck zu machen:

 

Ganz links eine Straße. dann ein breiter Bereich, der als Gehweg dient um dann nahtlos in die Treppenanlage überzugehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch bei Tageslicht und Sonnenschein zeigt der Anblick von oben das Dilemma:

letzte Aktualisierung:

11..02.2020

letzte Aktualisierung:

07.10.2021

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